Vordergrund oder Hintergrund?

Es war ganz süß, denn mich erreichte eine ganz liebe Sprachnachricht via Instagram:

„Ich find deinen Stil so toll und habe direkt den Blogbeitrag zum Thema Licht gelesen… jetzt hatte ich eine Hochzeit und konnte das direkt anwenden! Dann wollte das Paar aber Bilder vom Schloss im Hintergrund, das war aber laut den Regeln für Licht total die blöde Idee… Ich hab mich dann einfach gefragt:

Was würde Miriam jetzt tun?

Und hab halt einfach was probiert… aber ich dachte ich frag dich einfach direkt: Was hättest du an meiner Stelle getan?“

Also erstens hab ich mich total gefreut, dass mein Blogbeitrag so gut angekommen ist und man die Tipps darin direkt mal ausprobieren konnte!

Jetzt aber zurück zur Frage: Es ging im Endeffekt darum, dass die Sonne so stark war, dass man eigentlich nur eine einzige Möglichkeit für den Hintergrund hatte, wenn man nach meinen Regeln für Licht fotografieren will.

Denn entweder war der Hintergrund dann gut ausgeleuchtet oder der Vordergrund. Und für mich ist das eigentliche Motiv (das Hochzeitspaar) natürlich die Hauptsache, weswegen Hintergründe bei mir ruhig irrelevant werden dürfen.

Was ist aber, wenn das Paar unbedingt – in dem Beispiel jetzt – das Schloss im Hintergrund haben will? Oder die Pergola im Wald? Oder grundsätzlich eine Ecke, die vom Licht her doof ist.

Dann gibt es zwei Möglichkeiten…

Vordergrund oder Hintergrund? Was sollte man eher belichten?

Möglichkeit 1: „Ja!“

Ich habe jahrelang Theater gespielt und eine Regel im Improvisationstheater heißt: „Die Antwort ist immer JA!“

Genauso mache ich das auch mit meinen Paaren. Nichts ist schlimmer (menschlich) als wenn man ein „Nein“ an den Kopf geknallt bekommt.

Und gerade als Hochzeitspaar, bei denen die Emotionen sowieso noch gesteigert sind, ist es noch schlimmer, wenn man Ideen einbringt und man ein „Nö, mach ich nicht.“ zurück bekommt.

Meine Grundregel ist also JA zu sagen und das Bild auch zu machen – denn: mein Paar hat einen Wunsch erfüllt bekommen und ich bin in ihren Augen zuvorkommend und helfe ihnen ihre Vision umzusetzen. Und: Dieses Bild werde ich online wahrscheinlich NIE zeigen.

Das ist auch total in Ordnung. Manche Bilder schießt man halt nur für das Paar. (Gilt übrigens auch für „witzige“ oder super kitschige Posen, die das Paar haben unbedingt haben will… natürlich mache ich davon ein Bild, aber stelle das niemals auf den Blog/ Website/ Insta… etc.)

Nach dem JA, leite ich dann meist in Möglichkeit 2 über…

Möglichkeit 1: „Nein, weil…“

Ich sage nein, aber erkläre direkt warum und appelliere an das Paar mir als Profi zu vertrauen. Manchmal ist das nämlich genau das, was man hören will. Dass die Person ein Profi ist und bestimmte Dinge besser einschätzen kann.

Also sage ich sowas wie: „Ja, das Schloss muss auch unbedingt mit drauf – aber am besten gehen wir dafür auf die andere Seite / näher dran / eher an diesen Ort!“

Ich verstecke mein Nein hinter einem Ja und führe dann das Paar an die Stelle, die mir vom Licht her besser passt.

Manchmal werde ich auch konkreter: „Ich weiß, dass die Pergola super süß aussieht, aber ich kann euch versprechen, dass es auf Fotos nicht so wirkt, weil ihr einfach im Dunkeln verschwindet… wir können gern ein Foto von euch VOR der Pergola machen!“

Also so richtig NEIN sage ich eigentlich nie, sondern versuche immer erstmal ein Ja zu geben und dann das ganze in bestimmte Bahnen zu lenken.

P.S. Wenn du nochmal nach oben zum Bild scrollst wirst du sehen, dass die Trauung bei Stark-Sonne um 12 Uhr auf einer Wiese stattgefunden hat und sie nicht HINTER meinem Paar ist, sondern ihnen voll ins Gesicht strahlt.

Laut meinen Regeln ja eigentlich ein NO GO. Warum es trotzdem funktioniert? Weil ich einfach so weit weg bin, dass man weder die harten Schatten, noch die zugekniffenen Augen so richtig sieht (auch weil bspw. keiner direkt in die Kamera schaut). Stattdessen hat man eher den Blick auf die Umgebung und das blaue Wasser.

Vordergrund oder Hintergrund? Was sollte man eher belichten?

xoxo

miriam

Miriam Kaulbarsch

hey there!

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