Bei einem Gespräch mit einer befreundeten Fotografin kamen wir auf das Thema, was ich mal ganz schnöde auf Englisch zusammenfasse:
Obvious beauty leads to boring images
Übersetzt also „Offensichtliche Schönheit führt zu langweiligen Bildern“. Aber was meine ich damit?
Meist ist das die Falle in die man hinein tappt, wenn man ein wunderschönes Paar in wunderschöner Umgebung mit wunderschönen Accessires etc. hat. Denn dan bleibt man irgendwie bei den offensichtlich schönen Bilder hängen.
Paar + Outfits + Blumen + Drumrum = passt
Mir ist das in Paris aufgefallen. Dort hatte ich ja auch ein eigenes Editorial geplant und dann einen Workshop abgehalten. Da kann es sehr schnell passieren, dass man in diese Schönheitsfälle gerät und sich hinterher ärgert nicht noch einen Schritt weiter als das Offensichtliche gedacht zu haben.
In meinem Fall ist es auch oft so, dass ich die Models nicht „nerven“ will und daher vieles nicht vorschlage. Was ja eigentlich doof ist. Zum Glück haben meine Models auch von sich aus Ideen eingebracht. Und sie blieb es nicht beim Standard Bild links, sondern es kam auch zum mehr Editorial Style Bild recht:


Obvious Beauty leads to Boring Images
Welches sagt wohl eher „Editorial“?
Aber: die offensichtlichen Bilder braucht man eben auch! Ich versuche diese immer direkt am Anfang einzufangen. Denn dann hat man Zeit sich zu fragen: Wie kann ich tiefer gehen? Wie kann ich das „nicht offensichtliche“ zeigen? Wie wäre ein anderer Blickwinkel?
Oft reicht es schon den Abstand zu verändern. Gerade wenn die Umgebung besonders schön ist, vergisst man die Details sehr gerne. Hinterher versucht man dann 300 Ganzkörper-Fotos miteinander zu kombinieren – das wird sehr schnell, sehr langweilig aussehen. (Das Gegenteil kann übrigens auch helfen: Versuch mal so richtig richtig weit weg zu gehen!)
Oder man zwingt sich mal einen anderen Blickwinkel zu suchen. Auch wenn ich Rudelschießen bei Workshops nicht mag: Manchmal zwingt es einen in Ecken, in die man sonst nie gegangen wäre… vor einigen Jahren in Paris war nämlich das Offensichtliche Foto (links) und da ich keinen Platz hatte, musste ich kreativ werden und sah dann die Reflektion, was ein viel interessanteres Bild ergab (rechts; ach und den Eiffelturm hatte ich dann auch noch drauf als Bonuspunkt, selbst wenn er aus seinem Kopf herausragt):


Also, wenn du wieder ein wunderschönes Paar, in einem wunderschönen Setting hast – dann frag dich, was die nicht so offensichtlichen Motive sein können, die deine Bilder interessanter machen!




