Wie bekomme ich einen verschwommen Hintergrund aka Bokeh bei Bildern?

Das ist wohl DIE Einsteigerfrage schlechthin! Diesen verschwommenen Hintergrund nennt man auch Bokeh und dieser fällt je Objektiv und Blende anders aus. Fotografierst du eher mit geschlossener Blende – d.h. mit einer hohen Blendenzahl ab f/7.1 aufwärts – wirst du kaum ein Bokeh feststellen, da der Hintergrund ebenfalls scharf gestellt wird. Fotografierst du offen, d.h. die kleinste Blendenzahl, die dein Objektiv zulässt (bspw. f/1.8) wirst du ein Bokeh erkennen, da der Hintergrund nun verschwommen ist.

Das Bokeh, also die kleinen Kreise, die sich im Hintergrund dann bilden, entsteht vor allem auch, wenn man bspw. durch die Sonne viel Gegenlicht hat. Es hängt dann vom Objektiv ab, wie groß die Bokeh Kreise sind und ob diese dann ebenfalls kreisförmig angeordnet sind.

Man kann das Bokeh auch manipulieren, indem man eine Schablone vor das Objektiv hält. Denn die Kreise entstehen ja nur dadurch, dass die Blende immer runder wird, je weiter sie sich öffnet. Hängt man eine Schablone mit einem ausgeschnittenen Herz oder Tannenbaum vor der Objektiv, dann bildet das Bokeh auch genau diese Form!

Wenn dein Motiv scharf im Vordergrund ist und der Hintergrund unscharf, nennt man das auch “freistellen”. Ein Motiv ist um so schöner freigestellt, wenn es sich richtig gut vom Hintergrund abhebt und scharfe Konturen hat. Manchmal ist es aber auch gewünscht, dass Hintergrund und Vordergrund fast schon miteinander verschwimmen; bspw. bei Nahaufnahmen.

Beispiele für Bokeh

Wie bekomme ich einen verschwommenen Hintergrund aka Bokeh in meine Bilder?

Ich liebe dieses zuckersüße Foto von der Mini-Frisur dieser Mini-Dame! Hier habe ich absichtlich mit der Offenblende gearbeitet, damit wirklich nur die Schleife und die Haarsträhne scharf sind. Diese hebt sich aufgrund der Entfernung und der Offenblende ganz wunderbar vom Hintergrund ab. Der Kopf selbst ist schon wieder unscharf und verschwimmt damit fast mit dem Hintergrund, die Konturen sind hier ganz weich. Im Hintergrund siehst du auch das Bokeh, da hier die Sonne durch die Blätter schien, die ganz unterschiedliche Farben hatten. Und wie du sehen kannst ist das Bokeh fast ganz rund, da auch meine Blende fast ganz rund offen war.

Wie bekomme ich einen verschwommenen Hintergrund aka Bokeh in meine Bilder?

Hier wollte ich zeigen wie unterschiedlich das Bokeh ausfallen kann, je nachdem wie der Hintergrund aufgebaut ist. Technisch sind diese Bilder nämlich gleich: Offenblende, um den Fokus auf die Ringe zu legen und die Hände verschwimmen zu lassen.

Wie bekomme ich einen verschwommenen Hintergrund aka Bokeh in meine Bilder?

Der Unterschied ist, dass auf dem Bild rechts im Hintergrund lediglich der Fußboden und eine Treppe zu sehen war, weshalb der Hintergrund entsprechend eine ganze Fläche ist. Beim rechten Foto war der Hintergrund ein Gebüsch, durch das die Sonne schien wodurch das Bokeh entstand.

Also einfach Offenblende und los?

Natürlich kannst du dir jetzt sagen: “Klasse, um einen verschwommenen Hintergrund zu bekommen, stelle ich einfach die Blende auf die kleinste Zahl!”

Das kannst du machen, allerdings wird es dir am Anfang dann so gehen, dass du seeeeehr viele Bilder verhaust, weil der Fokus nicht richtig sitzt. Je offener man fotografiert, desto eher kann es auch passieren, dass die Kamera den Fokus nicht dort setzt, wo man ihn eigentlich haben will. Beziehungsweise ist die Fläche, die fokussiert wird, einfach unfassbar klein (wir reden wir von: einer Wimper oder einem Ring). Und dann ärgert man sich ganz schön, wenn man zu Hause nur 1 Bild von 100 nutzen kann, weil alles andere einfach massiv unscharf ist. Ich spreche da leider aus Erfahrung.

Mein Tipp: Für Einzelpersonen und Paaren nutze ich gerne eine Blende von 2.0 – 2.8. Somit stelle ich sicher, dass ich mein Motiv freistelle und der Hintergrund unscharf ist – aber dass ich ebenso auch eine gute Fläche für den Fokus habe und der entsprechend einfach sitzt.

Für Gruppenfotos gehe ich auf f/4.0 wenn es sich um 4-5 Personen handelt. Alles darüber und ich gehe auf f/7.1 oder höher. Mir ist es dann wichtiger, dass ich wirklich alle Gesichter im Fokus hab, als dass der Hintergrund verschwommen ist.

Beispiele für verschwommenen Hintergrund

Wie bekomme ich einen verschwommenen Hintergrund aka Bokeh in meine Bilder?

Hier wollte ich zeigen wie unterschiedlich der Hintergrund aussehen kann, je nachdem wie weit entfernt man davon steht. In diesem Beispiel haben wir eine gute Entfernung, sodass der Hintergrund verschwommen, aber sichtbar ist. Das Paar hebt sich gut ab und die Konturen sind scharf.

Wie bekomme ich einen verschwommenen Hintergrund aka Bokeh in meine Bilder?

Hier ein Beispiel, dass man einen schönen verschwommenen Hintergrund und ein Bokeh erhält, wenn man kein Ganzkörper-Portrait und auch keine Nahaufnahme erstellt, sondern im mittleren Bereich bleibt.

Wie bekomme ich einen verschwommenen Hintergrund aka Bokeh in meine Bilder?

In diesem Beispiel steht das Paar näher am Hintergrund dran. Auch wenn die Blende etc. gleich ist, verschwimmt dieser nicht so sehr, da der Hintergrund mit dem Motiv fast auf einer Ebene ist. Das Paar hebt sich nicht so stark ab. Dazu sei gesagt: Das muss nichts Schlechtes sein; ich wollte das explizit so.

Wie bekomme ich einen verschwommenen Hintergrund aka Bokeh in meine Bilder?

Beide Paare sind schön vom Hintergrund freigestellt. Dieser verschwimmt und dank der Sonne entsteht ein Bokeh aus kleinen Punkten.

Wie bekomme ich einen verschwommenen Hintergrund aka Bokeh in meine Bilder?

Auch Lichterketten im Hintergrund (siehe oberen Bereich des Bildes) eignen sich super, um Bokeh Punkte selbst zu erstellen!

In diesem Beispiel wollte ich mal mein 70-200mm Objektiv zeigen, weil das den Hintergrund ganz besonders “buttrig” macht und mein Motiv freistellt. Die Konturen sind super schön scharf und direkt an der Kante verschwimmt schon alles. Ich liebe dieses Objektiv, vor allem weil dadurch auch Ganzkörper-Portraits mit verschwommenen Hintergrund so gut zu machen sind. Dabei entferne ich mich NOCH weiter weg und zoome dann auf 70mm ran – dank Bildstabilisator ist das Zittern der Hand bei dem schweren Teil zum Glück kein Problem.

Wie bekomme ich einen verschwommenen Hintergrund aka Bokeh in meine Bilder?
Wie bekomme ich einen verschwommenen Hintergrund aka Bokeh in meine Bilder?

In diesem Beispiel wollte ich zeigen, wie unterschiedlich ein Ganzkörper Portrait und ein mittleres Portrait aussieht. Hier links kann man die Umgebung noch halbwegs erkennen, obwohl der Hintergrund schon schön verschwommen ist.

Wie bekomme ich einen verschwommenen Hintergrund aka Bokeh in meine Bilder?

Bei diesem Portrait schwebt mein Model aber inmitten von Unschärfe und ist dabei wunderschön freigestellt.

Noch mehr Tipps und Tricks

Übrigens: In Lightroom kann man seit neusten den Grad des Verschwimmens nachträglich anpassen! Natürlich wird das nie so aussehen, wie wenn man das Bild wirklich so geschossen hat, aber es kann eine Hilfe sein!

Und: Je besser die Linse / das Glas / das Objektiv, desto schöner ist oft das Bokeh und meistens kann man dann auch offenblendiger fotografieren, da der Motor / Fokus besser sitzt (weil er schneller ist, o.ä.). Außerdem kommt es beim Bokeh auch darauf an, wie weit dein Motiv vom Hintergrund entfernt ist – denn da gibt es auch einen bestimmten Sweet Spot. Ist der Hintergrund sehr weit weg, wird es kaum ein Bokeh geben, genauso wie wenn er zu nah dran ist. Das spielt auch alles eine Rolle!

Am Anfang habe ich das einfach mal anhand von Blumen draußen getestet. Ich habe mein 50mm angeschraubt und habe geguckt, wie sich das Bild verändert, je nachdem welche Blende ich auswähle. Dafür kannst du ruhig die Verschluss-Automatik (AV-Modus) und Automatik ISO nutzen, damit du dich um die anderen Werte erstmal nicht kümmern musst.

Viel Spaß beim Freistellen!

Wie bekomme ich einen verschwommenen Hintergrund aka Bokeh in meine Bilder?

xoxo

miriam

Miriam Kaulbarsch

hey there!

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